Termin

Titel:
Farina Marx (HHU) & David Freis (Münster): "Visnshaftlekhe kontrabande": Fischl Schneersohn zw. Kabbalah u. moderner Psychologie

Datum / Uhrzeit:
09.11.17   /  17:00 - 19:00

Veranstalter:
Abteilung für Jiddische Kultur, Sprache und Literatur


Ort:
24.54.01.86


Beschreibung:

Einladung

9. November 2017, 17 Uhr

Farina Marx (Jüdische Studien, HHU) und Dr. David Freis (Universität Münster):
"Visnshaftlekhe kontrabande": Fischl Schneersohn zwischen Kabbalah und moderner Psychologie

Fischl Schneersohn (1887 – 1958) ist vielleicht eine der faszinierendsten vergessenen Persönlichkeiten in der Geschichte der Psychologie des 20. Jahrhunderts.
Einzigartig an seinem Werk ist die Verbindung von zeitgenössischer Psychologie, Psychotherapie und jüdischer Mystik. Schneersohn war, anders als viele seiner jüdischen Kollegen, ein gläubiger Jude, der im Zentrum der Chabad-Bewegung aufwuchs und bereits mit 15 zum Rabbi ernannt wurde. Als direkter Nachfahre von Salman von Lyadi war er tief in der Gedankenwelt von Chabad verwurzelt. Nach seinem Studium der Medizin in Berlin und Petrograd leitete er die Abteilung für Heilpädagogik in Kiev, wo er sich auf die Behandlung kriegstraumatisierter jüdischer Kinder spezialisierte. Nach seinem Umzug nach Berlin in den 1920ern veröffentlichte Schneersohn eine Vielzahl an Artikeln, die sich mit den individuellen und kollektiven Auswirkungen psychischer Störungen befassen. Sein psychosoziales Hauptwerk Der veg tsum mentsh setzt sich allumfassend mit dem Leben auseinander, mit der Zielsetzung mentale Erkrankungen sowohl zu heilen als auch verhindern zu können, und eine zukünftige humane Gesellschaft zu schaffen. In der Zwischenkriegszeit zog Schneersohn in die USA, nach Polen und letztlich nach Palästina, wo er seine Ideen übersetzte und dort seine gesammelten Erfahrungen in die verschiedenen Gesellschaften übertrug.
In unserem Vortrag werden wir uns auf Schneersohns Hauptwerk Der veg tsum mentsh fokussieren. Dieses wurde 1927 in jiddischer Sprache veröffentlicht und erschien in englischer Übersetzung 1929 in den USA mit dem Titel Studies in Psycho-Expedition. Obwohl er sich als wissenschaftlicher Psychologe und praktischer Therapeut präsentierte, griff Schneersohn auf kabbalistische Motive wie verschiedene Sphären der Seele zurück, die verstanden und ganzheitlich behandelt werden müssten. Neben der Präsentation von Ideen eines in Vergessenheit geratenen jüdischen Psychotherapeuten, der sich zwischen verschiedenen Orten und Traditionen bewegte, bietet unser Vortrag zudem ein Beispiel für die Verbindungslinien zwischen moderner Psychotherapie und mystischem Denken.

Veranstaltung im Rahmen des Jiddistik-Kolloquiums

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.


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